Milchtütendruck mit der Nudelmaschine

Am liebsten hätten wir natürlich gemeinsam mit Euch geschnitten, gezeichnet, geritzt und gedruckt! Aber die Corona-Pandemie hat unsere Pläne für dieses Jahr leider gründlich durcheinandergebracht. Zum Museumstag am 17. Mai 2020 werden wir Euch deshalb nicht wie gewohnt zu uns in die Staatsbibliothek an den Basteltisch einladen können. Vielleicht habt Ihr ja Lust, stattdessen den hier vorgestellten Milchtütendruck zu Hause auszuprobieren. Viel Spaß dabei!

Von alten Drucktechniken, einem Künstler und einem Sammler

Tiefdruckverfahren wie Radierung und Kupferstich sind sehr alte Drucktechniken. Der Name „Tiefdruck“ verrät, wie der Platz entsteht, der die Druckfarbe aufnehmen soll: In einem ersten Arbeitsschritt bearbeitet der Künstler eine Druckplatte, indem er Material entfernt und so Vertiefungen schafft. Dann lässt sich in einem zweiten Schritt das Bild, das zunächst nur anhand der Aussparungen auf der Druckplatte zu erkennen ist, auf Papier drucken. Dafür reibt der Künstler die Druckplatte mit Farbe ein. Die eingeritzten Rillen nehmen die Farbe auf. Von der glatten unbearbeiteten Fläche wischt er sie wieder ab. Um die Farbe aus den Rillen auf das Papier zu bringen, werden Druckplatte und Papier in einer Druckpresse fest aufeinandergepresst.

Der Künstler Albrecht Dürer

Künstler haben diese Formen der künstlerischen Druckgraphik vor rund 500 Jahren entwickelt. Um eine Radierung oder einen Kupferstich herzustellen, benötigt man nicht nur sehr spezielles Material und besondere Gerätschaften, sondern auch viel Erfahrung und enormes handwerkliches Geschick. Albrecht Dürer beherrschte den Kupferstich geradezu meisterhaft. Der berühmte Künstler aus Nürnberg experimentierte auch mit der Radierung auf Eisenplatten. Gut möglich, dass Du schon Bekanntschaft mit Dürers Feldhasen oder mit seinem Rhinozeros gemacht hast. Vielleicht hast Du sogar das Namenszeichen „AD“ vor Augen, mit dem Albrecht Dürer seine Werke signierte: Er rahmte mit dem ersten Buchstaben seines Vornamens den Anfangsbuchstaben seines Nachnamens ein.

Der Sammler Joseph Heller

Für Albrecht Dürer und seine Druckgraphik begeisterte sich vor über 150 Jahren ein reicher Mann aus Bamberg. Sein Name war Joseph Heller. Er sammelte alle Kupferstiche, Radierungen und Holzschnitte von Dürer, die er in die Finger bekam. Von den Fenstern seines großen hellblau gestrichenen Hauses aus konnte er auf die vorbeiziehende Regnitz schauen. Die meiste Zeit verbrachte er damit, seine Kunstsammlung zu erweitern und über sie zu schreiben. Joseph Hellers Haus glich wohl einem privaten Museum. Der Tag, an dem es ihm gelang, die originale Radierplatte von Dürer anzukaufen, war sicher ein ganz besonderer Glückstag für ihn. Albrecht Dürer hatte 1515 in diese einzige von ihm erhaltene Eisenplatte ein Motiv eingearbeitet, das eine Geschichte aus der Bibel erzählt: Christus betet vor seiner Gefangennahme am Ölberg, im Hintergrund drängen die Soldaten in den Garten. Joseph Heller ließ Dürers Eisenplatte sogar noch mehrfach abdrucken.

Als der begeistere Sammler 1849 starb, hinterließ er eine gigantische Sammlung: 50 000 Graphikblätter stapelten sich in den Zimmern und Schränken seines Hauses. Joseph Heller vererbte diesen Schatz der Staatsbibliothek Bamberg. Denn er wünschte sich für seine Sammlung, dass sie für jedermann zugänglich sein sollte. Eine Ausstellung, in der wir viele Stücke aus der Heller-Sammlung zeigen wollten, mussten wir wegen der Coronavirus-Pandemie leider verschieben. Im Internet kannst Du Dir allerdings schon viele Kupferstiche und Radierungen von Albrecht Dürer anschauen, die Joseph Heller gesammelt hat und die die Staatsbibliothek Bamberg heute für alle bereit hält.

Anleitung Milchtütendruck

Ausgestattet mit einigen Tipps und Tricks, könnt Ihr die alten Drucktechniken mit einfachen Mitteln zu Hause nachmachen und damit tolle Ergebnisse erzielen. Wir empfehlen den Milchtütendruck für Kinder ab 8 Jahren.

H-Milchtüten und andere Tetra Pak-Tüten, z. B. die Verpackungen von Apfelmus oder passierten Tomaten, haben silbrig glänzende Innenseiten. Diesen mit Alufolie beschichtete Karton benutzt Du als Druckplatte. Hier kannst Du ein Bild einritzen und es einfärben. Um anschließend die Farbe aus den Rillen heraus auf das Papier zu übertragen, benötigt man eine Tiefdruck-Presse. Hier hilft eine Nudelmaschine, die eine Tiefdruck-Presse ersetzten kann.

Das brauchst Du

Zuhause suchst Du Dir zusammen

Alubeschichtetes, sauber ausgewaschenes Tetra Pak
Große, spitze Nadel (z. B. eine Prickelnadel)
Schere, Zeitungspapier, Küchenkrepp
Kleine Auflaufform, Handtuch, Nudelmaschine

Im Werk- oder Bastelladen bekommst Du

Kleine Tube Tiefdruckfarbe oder Linoldruckfarbe
Kräftiges Aquarellpapier in Postkartengröße (DIN A6)
Zwei Stück dünner Bastelfilz

Gestalte ein Motiv

Trenne die Verpackung mit der Schere vorsichtig auf und schneide Dir ein Stück Karton in der gewünschten Größe aus. Dabei sollte die Aluschicht möglichst keine Knicke bekommen. Die Ecken kannst Du abrunden. Die Breite der Nudelmaschine gibt die maximale Breite des Aquarellpapiers vor. Die Druckplatte wiederum sollte etwas kleiner als das Papier sein. Lass das Papier die Druckplatte an jeder Seite um mindestens 1 cm überragen.

Ritze mit der Nadel Dein Motiv in die silbrig glänzende Seite der Platte ein. Es sollte in der Aluschicht in deutlichen, kräftigen Linie zu sehen sein. Versuche, die Pappschicht nicht zu verletzen. Vielleicht hilft es Dir, vorher Dein Motiv mit Bleistift auf einem Stück Papier zu skizzieren. Eine Skizze ist auch hilfreich, wenn Du etwas schreiben möchtest, denn alles was Du auf die Platte einritzt, wird nach dem Druck auf dem Aquarellpapier seitenverkehrt erscheinen.

Viele Künstler signieren ihre Werke. So brachte Albrecht Dürer auf seinen Druckplatten sein Namenszeichen AD an. Vielleicht gestaltest Du aus den Anfangsbuchstaben Deines Vor- und Nachnamens Dein ganz persönliches Monogramm und ritzt es auf der Platte ein? Üblicherweise ist das Namenszeichen in der unteren rechten Ecke zu sehen - da alles seitenverkehrt aufs Papier gedruckt wird, auf der Platte also unten links mit seitenverkehrt geschriebenen Buchstaben!

Durch die Nudelmaschine gepresst

Zuerst legst Du ein Aquarellpapier für ein paar Minuten in die mit Wasser gefüllte Auflaufform. Gut durchfeuchtetes Papier lässt sich besser in die Rillen der Druckplatte pressen und nimmt so die Farbe besser auf. Kurz vor dem Drucken nimmst Du es aus dem Wasser und tupfst es mit dem Handtuch trocken. Die beiden Stücke Bastelfilz schneidest Du etwas größer zu als das Aquarellpapier, in derselben Größe zwei Küchenkrepps.

Dann geht es ans Einfärben der Druckplatte. Decke Deine Arbeitsfläche dafür mit etwas Zeitungspapier ab. Gib ein wenig Tiefdruck- oder Linoldruckfarbe auf ein Stück Küchenkrepp und reibe sie vorsichtig mit kreisenden Bewegungen in die Rillen der Platte. Die überschüssige Farbe, die sich auf der glatten Oberfläche befindet, wischst Du anschließend mit einem sauberen Küchenkrepp wieder ab.

Nun stapelst Du die einzelnen Schichten Deines Druckstapels folgendermaßen übereinander:

  • Bastelfilz
  • Küchenkrepp
  • zu bedruckendes Aquarellpapier
  • eingefärbte Druckplatte (die alubeschichtete Seite mit dem Motiv in Richtung Papier)
  • Küchenkrepp
  • Bastelfilz

Dieses Päckchen legst Du vorsichtig zwischen die Walzen der Nudelmaschine ein und drehst es durch. Das funktioniert gut, wenn die Walzen zunächst das etwas überstehende Küchenkrepp fassen können. Probiere aus, welche Öffnung der Walzen die passendste ist. Die Stufe ist von der Dicke des Druckstapels abhängig. Je enger die Walzen stehen, umso besser wird das Druckergebnis.

Nimm anschließend die Schichten wieder auseinander. Ziehe die Druckplatte vorsichtig vom Aquarellpapier ab und lass es trocknen. Damit es sich nicht wellt, beschwerst Du es am besten kurz bevor es trocken ist, mit einem Buch.

Seriendruck

Beim Milchtütendruck kannst Du mehrere Abzüge von einer Druckplatte angefertigt. Die Drucke werden allerdings von Mal zu Mal schwächer. Das erging Albrecht Dürer mit seinen Eisen- und Kupferplatten auch nicht anders.

Wenn Du eine ganze Serie druckst, also mehrere Abzüge von einer Druckplatte anfertigst, könntest Du sie nummerieren. Künstler notieren die Nummerierung in der unteren linken Ecke des Blattes.  Sie gibt an, wie oft eine Platte insgesamt abgezogen wurde und um welches Blatt innerhalb dieser Gesamtauflage es sich genau handelt. Wurde beispielsweise „3/10“ notiert, so sagt das dem Kenner, dass es sich hier um den dritten von insgesamt zehn Abzügen handelt. Je niedriger erste Nummer ist, desto besser ist in der Regel auch die Qualität des Druckes.

Künstlerkinder-Galerie

Hier stellen wir Euren Milchtütendruck aus! Schickt dafür einfach ein Foto von Euren Drucken per E-Mail! Wenn Ihr und Eure Eltern damit einverstanden seid, veröffentlichen wir Eure Kunstwerke gerne auf unserer Website!

Oder Ihr schreibt einen Gruß auf die Rückseite, klebt eine Briefmarke drauf und adressiert Eure Kunstpostkarte an Bekannte oder Freunde, die Ihr momentan nicht besuchen könnt.

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