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Die Sammlung Apelt

Briefe und Billets Jean Pauls an Emanuel Osmund aus dem Jahr 1809 (OFS.Autogr. R 1(1809).

Die größte geschlossen überlieferte Sammlung von Autographen Jean Pauls (eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, 1763–1825) befindet sich heute als Dauerleihgabe der Oberfrankenstiftung in der Staatsbibliothek Bamberg und ist eng verbunden mit dem Namen des Rechtsanwalts und Notars Dr. Franz Ulrich Apelt (1882–1944) aus dem sächsischen Zittau.

Sie umfaßt 1.108 Briefe und Billets von der Hand Jean Pauls, die dieser in den Jahren 1796–1825 an seinen Bayreuther Freund und Vertrauten Emanuel Osmund schrieb, außerdem 73 Autographen von Personen aus dem Umfeld des Schriftstellers. Da Jean Paul Briefe nicht als Gebrauchsschriftgut, sondern als Teil seines literarischen Werks ansah und mit Emanuel fast täglich korrespondierte, ist diese Sammlung in ihrer Geschlossenheit von größtem literatur- und kulturgeschichtlichem Wert.

Franz Apelt kaufte das umfangreiche Konvolut 1921 vom Urenkel Emanuel Osmunds und bewahrte es so vor der geplanten Versteigerung, die sicherlich zu einer Zerstreuung geführt hätte. Den Kauf hatte der damalige Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe aller Werke Jean Pauls, Eduard Berend (1883–1973), vermittelt, mit dem Apelt bereits seit vielen Jahren in engem Austausch zu Fragen der Romantik allgemein und Jean Pauls im besonderen stand.

In der Folgezeit und auch über den Tod Franz Apelts 1944 hinaus – weitgehend unterbrochen allerdings durch die Zeit des Dritten Reiches, während der der Jude Berend seine Forschungstätigkeit in Deutschland nicht fortführen konnte – stützte sich Berend für seine Edition ganz wesentlich auf die Sammlung Apelt, weshalb die darin enthaltenen Jean-Paul-Autographen mit nur wenigen Ausnahmen bereits publiziert sind. Als in den 1970er Jahren die Enteignung der wertvollen Sammlung durch die Machthaber der devisenhungrigen DDR zu befürchten war, gelang es den Erben Franz Apelts, die Autographen in die Bundesrepublik zu bringen und somit vor der erneuten Gefahr einer Zerstreuung zu retten.

Im Jahre 2010 wurde die Sammlung Apelt dann durch die Oberfrankenstiftung erworben und als Dauerleihgabe der Staatsbibliothek Bamberg anvertraut.

 

Emanuel Osmund, Jean Pauls engster Seelenfreund

Emanuel Osmund auf einem unbezeichneten Ölbild, um 1835 (Leihgabe des Historischen Museums Bayreuth im Jean-Paul-Museum, Fotografie des Jean-Paul-Museums Bayreuth).

Emanuel Osmund (1766 in Altenkunstadt geboren, 1842 in Bayreuth gestorben) war für Jean Paul die wohl wichtigste Bezugsperson außerhalb der Familie. Der Dichter schätzte nicht nur den Austausch über seine Arbeiten und über schöngeistige Fragen, sondern auch die lebenspraktische Hilfe, die ihm der jüdische Kaufmann angedeihen ließ. Offenkundiges Zeugnis hierfür bildete die von Emanuel organisierte Lieferung von Bayreuther Bier an Jean Pauls Wohnorte Meiningen und Coburg.

Emanuel verkörpert die Zwiespältigkeit jüdischer Existenz im Zeitalter der Staatsaufklärung. Einerseits war er akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft, insonderheit der Gelehrtenrepublik, und konnte schon in jungen Jahren im Hause der freiherrlichen Familie von Lindenfels verkehren und stand in Korrespondenz mit Johann Gottfried Herder. Als reicher Mann gehörte Emanuel zur Wirtschaftselite nicht nur der Stadt, sondern des ganzen Fürstentums Bayreuth. Andererseits war er als Jude Diskriminierungen ausgesetzt. So wurde er 1793 von zwei Offizieren aus der Familie von Lindenfels, die seine Anwesenheit bei ihrer Schwester als ehrverletzend verstanden, derart misshandelt, dass sein Gehör dauerhaft litt und er zeitlebens auf ein Hörrohr angewiesen war. Eine jahrelange Klage gegen die Täter blieb erfolglos.

Wie herzlich das Verhältnis zwischen Emanuel und Jean Paul war, spiegelt sich in Namen: Das bayerische Judenedikt von 1813 gebot den Juden, einen unveränderlichen Familiennamen anzunehmen. Jean Paul unterbreitete Emanuel mehrere Vorschläge, aus denen dieser im August 1814 „Osmund“ wählte, was soviel wie „Beschützer“ bedeutet. Schon 1803 hatte Jean Paul seinen Sohn nach dem Freund benannt: Maximilian Ernst Emanuel Richter.

 

 

   

Digitalisate und Transkriptionen

Sämtliche Briefe und Billets der Sammlung wurden von der Staatsbibliothek Bamberg digitalisiert und mit Hilfe des Bayerischen Bibliotheksverbundes im Rahmen der Bamberger Schätze über die Internetseite der Staatsbibliothek Bamberg frei zugänglich bereitgestellt.

Durch die Kooperation mit der Arbeitsstelle der Jean-Paul-Edition an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften konnten außerdem die Digitalisate der Jean-Paul-Autographen mit dem jeweils zugehörigen transkribierten Volltext verknüpft werden. Dies erleichtert nicht nur die Lektüre der Briefe, sondern ermöglicht auch die Wortrecherche innerhalb der Sammlung Apelt.

 

   

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