Graphik und Karten

Sehr vielfältig sind die Bestände an Druckgraphik und Karten, unter denen sich auch viele Blätter mit Regionalbezug wie Ansichten fränkischer Orte und Wappenkalender befinden. Zur umfangreichen Sammlung an Einblattdrucken gehören 70 seltene Drucke des 15. Jahrhunderts, die in Inkunabel-Datenbanken nachgewiesen sind.

Graphiksammlung

Die umfangreiche Graphische Sammlung umfasst heute etwa 90 000 Blatt. Wie die Geschichte der Staatsbibliothek Bamberg selbst ist auch die ihrer Graphiksammlung eng mit Mäzenen verwoben. Bereits unmittelbar im Anschluss an die Zusammenführung der Kloster- und Stiftsbibliotheken sowie der früheren Universitätsbibliothek, die im Zuge der Säkularisation 1802/03 vollzogen wurde, bereicherten private Förderer den Bestand der damals Königlichen Bibliothek.

Eine zunächst überschaubare Zahl an Kupferstichen, Radierungen und Holzschnitten, die aus den aufgelösten Vorgängerinstitutionen stammte, wuchs durch private Schenkungen deutlich an. Etwa die Hälfte des heutigen Graphikbestands geht auf das Vermächtnis des Bamberger Privatiers, Kunstgelehrten und -sammlers Joseph Heller (1798–1849) zurück, der bereits zu Lebzeiten enge Verbindungen zur Bibliothek unterhielt und sie in seinem Testament als Alleinerbin seiner Sammlung einsetzte. Insgesamt setzt sich diese aus heterogenen Teilbereichen zusammen und ist teils nach Genres (topographische Ansichten, historische Gebäude- und Ortsansichten, Porträts) und teils nach Künstlern bzw. Schulen geordnet. Vielfach stand der thematische Bezug zu seiner Heimatstadt Bamberg im Fokus. Ein ansehnlicher Bestand von knapp 100 Holzstöcken, Eisen- und Kupferplatten ist in großen Teilen Heller und dem damaligen Bibliotheksleiter Joachim Heinrich Jäck zu verdanken.

Die Besonderheit, dass der Nachlass der Bibliothek nach Hellers Tod geschlossen übergeben wurde, wodurch die gattungs- wie materialübergreifenden Verquickungen seiner einzelnen Bestandteile erhalten blieben, waren Ausgangspunkt für ein Forschungsprojekt. Im Rahmen dessen wird derzeit an einem ausgewählten Konvolut die Sammlungsstruktur Hellers digital nachgebildet und für interessierte Nutzer bereitgestellt.

Über Werke der sogenannten Helleriana hinaus beinhaltet die Graphiksammlung unterschiedliche Schwerpunktbestände, z. B. politische Karikaturen, illustrierte Flugblätter oder aber Proklamationen vor allem des 19. Jahrhunderts, die zum Teil auf Überlassungen des Freiherrn Emil Marschalk von Ostheim (1841–1903) zurückgehen. Vorhanden sind auch zahlreiche Wappenkalender für Institutionen aus ganz Deutschland sowie Thesenblätter des 17. und 18. Jahrhunderts von katholischen Universitäten, Hochschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen.

Durch kleinere und größere Schenkungen sowie gezielte Erwerbungen wuchs die graphische Sammlung im 19. und 20. Jahrhundert an, sowohl um Druckgraphik und Zeichnungen als auch um Fotografien, Postkarten und Werbeplakate. Seit 1963 ist die Graphiksammlung des Historischen Vereins Bamberg als Depositum in der Staatsbibliothek.

Literatur

Schemmel, Bernhard: Auserlesene Schrift-Bilder. Zu einer Sammlung von Schreibmeisterblättern der Staatsbibliothek Bamberg. In: Manfred von Arnim (Hrsg.): Festschrift Otto Schäfer. Stuttgart, 1987, S. 131–161 (Katalog).

Schemmel, Bernhard: Die Graphischen Thesen- und Promotionsblätter in Bamberg. Wiesbaden, 2001 (Katalog).

Heinritz, Reinhard (Hrsg.): Dürer und die Literatur. Bilder, Texte, Kommentare. Bamberg, 2001 (Katalog).

Todendantz. Totentanz-Literatur und -Illustrationen. Düsseldorf, 2003 (Katalog).

Biller, Josef H.: Calendaria Bambergensia. Bamberger Einblattkalender des 15. bis 19. Jahrhunderts von der Inkunabelzeit bis zur Säkularisation. Weißenhorn, 2018 (Katalog).

Ansichten und Karten

Unter den topographischen Motiven finden sich Ansichten von Orten, Schlössern und Landschaften in Franken sowie im In- und Ausland überwiegend vom 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Neben Atlanten und den als Atlanten gebundenen Kartensammlungen ist eine größere Zahl ungebundener Einzelkarten vorhanden, von denen die meisten aus dem 19. Jahrhundert stammen. Unter den älteren Karten, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, sind zahlreiche Nürnberger und Augsburger Drucke. Kartenbeilagen aus Zeitungen, Zeitschriften und Monographien sowie Sonderkarten von Kriegsschauplätzen und geographischen Expeditionen wurden bisweilen gesondert aufgestellt.

Literatur

Schemmel, Bernhard: Karl Theodor von Buseck (1803–1860). Fränkische Ansichten. Bamberg, 1985 (Katalog).

Schemmel, Bernhard: Die Ingenieur- und Zeichenakademie des Leopold Westen und ihre Entwicklung 1794–1833. In: Buch und Bibliothek in Bamberg. Bamberg, 1986, S. 299–378 (Digitalisat).

Schemmel, Bernhard: Die Entdeckung der Fränkischen Schweiz im Spiegel der Graphik. Bamberg, 1988 (Digitalisat).

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