Einbände

Viele Bücher im historischen Bestand der Staatsbibliothek tragen originale Einbände, die mit den Techniken und im Stil der jeweiligen Zeit gestaltet sind. Kostbare Goldschmiedearbeiten und Elfenbeinreliefs, aber auch aufwendig verzierte Ledereinbände und Papierumschläge machen sichtbar, welche Bedeutung den Büchern zukam.

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Mittelalterliche Buchkunst

Zu den herausragenden Objekten der mittelalterlichen Einbandkunst zählen Buchdeckel, die mit Elfenbeinreliefs verziert sind. Byzantinische Schnitzarbeiten des 10. Jahrhunderts schützen liturgische Texte wie die beiden Cantatorien aus dem Bamberger Domschatz (sog. Gebetbücher von Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde, Msc.Lit.7 und Msc.Lit.8) und ein Sakramentar aus Fulda (Msc.Lit.1). Für Prachteinbände wurden bisweilen auch Seidenstoffe verwendet (Msc.Lit.131 und Msc.Bibl.95).

Einen Hornplatten-Einband trägt der Bamberger Psalter (Msc.Bibl.48), eine prachtvoll illuminierte Handschrift des 13. Jahrhunderts. Die Miniaturen auf den Buchdeckeln werden durch transparente Hornplatten mit Silbermontierung geschützt.

Dekorative Ledereinbände

Schon in der Zeit der Romanik wurde Leder mittels Dekorstempeln verziert, die blind (also ohne Farbe oder Gold) eingeprägt wurden. Aus dem 12. Jahrhundert stammt ein Einband, dessen Vorder- und Rückseite dicht mit geprägten Ornamenten besetzt sind (Msc.Bibl.30).

Die Technik des Lederschnitts ermöglichte eine individuelle Gestaltung von Bucheinbänden. Mit einem Messer ritzte man Wappen, figürliche Szenen und andere Verzierungen in das angefeuchtete Leder ein und hob die Bilder mit Punzierungen hervor. In fränkischen Zentren wie Bamberg und Nürnberg entstanden im 15. Jahrhundert Spitzenstücke dieser Kunst; 17 Exemplare sind in der Staatsbibliothek Bamberg erhalten (u.a. Msc.Can.87, Msc.Bibl.148).

Die Benediktinerabtei auf dem Michelsberg verfügte über eine eigene Buchbinderei, die Handschriften und Drucke mit Einbänden im Stil der Gotik ausstattete (z.B. Msc.Patr.34).

Die originalen Einbände der mittelalterlichen Handschriften der Dombibliothek wurden dagegen zwischen 1611 und 1614 durch neue Einbände ersetzt, die aus alaungegerbtem Schweinsleder bestehen und auf dem vorderen Deckel als Supralibros das goldgeprägte Wappen des Bamberger Domkapitels mit dem thronenden Kaiser Heinrich tragen; den hinteren Deckel zieren die Wappen des Domdechants Erasmus Neustetter genannt Stürmer und des Domkapitulars Hektor von Kotzau, welche die Binderarbeiten finanzierten.

Literatur

Ferdinand Geldner: Bamberger und Nürnberger Lederschnittbände. Festgabe der Bayerischen Staatsbibliothek für Karl Schottenloher. München, 1953 (Katalog).

Vergoldete Bucheinbände

Einbände aus der Bipontina | SBB
Einbände aus der Bipontina | SBB

Eine reiche Sammlung von Einbänden mit goldgeprägten Buchrücken und Deckeln ist in der Bibliotheca Bipontina zu finden, die aus dem Besitz  des wittelsbachischen Herzogs Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken (reg. 1775-1795) nach Bamberg gelangte. Sie enthält auch zahlreiche Beispiele der französischen Einbandkunst. Eine Vorstellung von der originalen Raumwirkung der Zweibrückener Bibliothek vermittelt ein eigener Schauraum der Staatsbibliothek, der Bipontina-Saal.

Zu den herausragenden Exemplaren des Bamberger Bestands zählen auch Lackeinbände mit Porträts sächsischer Kurfürsten (Bibl.q.76, L.gr.o.307a), Wappeneinbände für Patrizier (JH.Ma.q.3) und Kardinäle (JH.Bg.o.154) sowie Silbereinbände (RB.Th.lit.d.33-m, Sel.365). Besondere Geschicklichkeit auf Seiten des Buchbinders wie des Lesers erforderte ein Sechsfachband als Vexierbuch (L.th.c.q.5). Viele Bücher tragen nicht nur kunstvoll gestaltete Deckel, sondern auch reich verzierte und vergoldete Schnitte (Coll.leg.d.28, Ph.o.483, Th.dp.o.117g, RB.Th.mor.o.6, Bibl.o.221, JH.Inc.typ.IV.316).

Pergament- und Papierumschläge

Da Holzdeckeleinbände den Transport erschwerten, verwendete man schon im Mittelalter leichtere Materialien für Bücher, die von mobilen Bevölkerungskreisen wie Studenten und Predigern benutzt wurden. Sie erhielten nur flexible Umschläge, die sogenannten Koperte. Dafür wurde ein Pergamentbogen um den Buchblock gelegt und die Heftfäden durch den Umschlagrücken gestochen, der oft mit Hornplatten verstärkt war. Eine Umschlagklappe, die mit einer Schnur an einem Knopf befestigt war, schützte den Inhalt vor Schmutz (Msc.Phil.3, JH.Msc.Phil.2, Inc.typ.Ic.II.58, JH.Msc.Hist.98, Msc.Hist.160, Msc.Med.13).

Schon im 15. Jahrhundert stellten auch Buchdrucker einfache Umschläge her, die aus Papier bestanden und mit Holzschnitten bedruckt waren. Die Staatsbibliothek bewahrt das älteste erhaltene Beispiel dieses Einbandtyps, von dem nur etwa 20 Exemplare erhalten sind (Inc.typ.Ic.II.2).

Farbige Papierumschläge waren besonders im 18. Jahrhundert für Bücher geringeren Umfangs beliebt. Das wichtigste Zentrum der Herstellung befand sich in Augsburg, aber auch in Franken entstanden derartige Papiere mit einer Fülle unterschiedlicher Dekore. Beim Kattunpapier wurde die Farbe mit Hilfe von Holz- oder Kattunmodeln aufgebracht (RB.Msc.31). Brokatpapiere versah man mit grazilen Mustern in imitiertem Gold- bzw. Silberdruck (XII M 104).



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