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Staatsbibliothek erhält Zeichnungen des Barockkünstlers Melchior Steidl

Fast gleichzeitig mit der Wiedereröffnung des aufwendig sanierten Kaisersaals der Neuen Residenz in Bamberg Anfang Oktober 2020 erwarb die Oberfrankenstiftung jüngst zwei Zeichnungen, die Teile der Scheinarchitektur eines barocken Deckengemäldes zeigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um Entwürfe, die der Freskenmaler Melchior Steidl (1657–1727) für den Bamberger Festsaal vorlegte. Als Leihgaben der Staatsbibliothek Bamberg überlassen, sind die Zeichnungen nun für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich.

Concept for the illusionistic ceiling painting in the Bamberg New Residence's Imperial Hall. Watercoloured pen-and-ink drawing by Melchior Steidl, ca. 1707–1709 | SBB, OFS.G S 1

Concept for the illusionistic ceiling painting in the Bamberg New Residence's Imperial Hall. Watercoloured pen-and-ink drawing by Melchior Steidl, ca. 1707–1709 | SBB, OFS.G S 1

Melchior Steidl malte den Bamberger Kaisersaal von 1707 bis 1709 aus und erreichte damit einen Höhepunkt seiner Laufbahn. Allerdings unterscheiden sich sowohl der größere Entwurf als auch der zweite Entwurf in mehreren Elementen vom letztlich ausgeführten Deckengemälde. Die auf den Blättern eingetragenen Maße stimmen jedoch mit dem Bamberger Saal überein. Dies lässt darauf schließen, dass Steidl die Entwürfe nochmals überarbeitete. Es ist bekannt, dass der Auftraggeber, Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn, selbst Änderungen forderte. Dank moderner Technik müssen Sie nicht in die Residenz kommen, um die Entwürfe aus mit den ausgeführten Gemälden zu vergleichen. Denn vom heimischen PC aus können Sie sich jederzeit auf eine virtuelle Entdeckungstour durch den Kaisersaal begeben.

Die zentrale Deckenmalerei im Kaisersaal, die sich über 640 Quadratmeter ausdehnt, zeigt den Triumphzug der Weisheit als Allegorie der guten Herrschaft. Durch die illusionistische Erweiterung der Architektur in den Deckenhimmel hinein entfaltet der zwar große, aber sehr niedrige Raum eine enorme Wirkung. Steidl freskierte den Saal außerdem mit überlebensgroßen Kaiserbildnissen sowie mit Allegorien der vier antiken Weltreiche. Der in Innsbruck geborene Steidl hatte sein Handwerk beim Münchener Hofmaler Johann Anton Gumpp erlernt (1654–1719) und gilt als einer der bedeutendsten Freskenmaler des süddeutschen Barocks. Steidls italienisch geschulter Stil traf den Geschmack vieler kirchlicher Auftraggeber in Österreich, Bayern, Franken, Hessen und Schwaben, die ihm Aufträge für Deckengemälde erteilten. Aufwendige illusionistische Architekturen sind ebenso wie hart konturierte Figuren mit meist typisierten Gesichtern charakteristisch für sein Werk.

Die Staatsbibliothek Bamberg dankt der Oberfrankenstiftung herzlich für die Übergabe der beiden hochkarätigen Leihgaben.

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