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Geschichte
Im Zuge der Säkularisation wurden ab 1803 die Buchbestände der zum ehemaligen Hochstift Bamberg gehörenden und nun
aufgelösten Klöster und geistlichen Stifte mit der Bibliothek der aufgehobenen Universität zusammengeführt. Einige herausragende
Stücke - wie das Perikopenbuch Heinrichs II., das Evangeliar Ottos III. oder der Heliand - fielen jedoch der Hofbibliothek München
zu, der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek. Der Name der neuen
öffentlichen Bibliothek wechselte mit den politischen Verhältnissen in Bayern: zunächst Kurfürstliche, ab 1806 Königliche, ab 1918
Staatliche Bibliothek (seit 1966 offiziell Staatsbibliothek Bamberg).
Erste Heimat wurde und blieb bis 1965 das Kollegienhaus der Jesuiten inmitten der Inselstadt, seit 1648 Sitz einer Akademie (ab 1773
Universität), und der dazugehörigen Bibliothek. Durch das Säkularisationsgut wuchs diese Bibliothek um etwa das Dreifache auf
annähernd 60.000 Bände an.
Selbst die durch rüde Übergabepraxis und rigoroses Ausscheiden der Dubletten dezimierten Bestände bezeugen ein reges geistiges
Interesse einzelner Klöster, vor allem in der Benediktinerabtei Banz, die mit einer eigenen Zeitschrift fördernd und kritisch an der
Aufklärung teilnahm.
Strahlender Mittelpunkt der Handschriftensammlung (4.500 Bände, darunter 1000 mittelalterliche Codices) sind die aus dem Domstift
stammenden Bücher, besonders jene, mit denen Kaiser Heinrich II. die von ihm im Jahr 1007 gegründete Bamberger Kirche großzügig
ausgestattet hatte. Sie sind ein Spiegel der um die Jahrtausendwende blühenden Buchmalerei, die sich vorwiegend mit dem Namen
der Reichenau verbindet, sowie der im Kreis um Kaiser Otto III. und Papst Silvester gepflegten Wissenschaft, deren Dokumente bis ins
5. Jahrhundert zurückreichen. Die berühmteste, durch eine Faksimile-Ausgabe erschlossene Miniaturhandschrift, die Bamberger
Apokalypse, stammt aus dem Kollegiatstift St. Stephan, ebenfalls einer Gründung Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde.
Im Umkreis der Domschule, die schon im ersten Jahrhundert ihres Bestehens hohen Rang erwarb, sammelten sich die Handschriften,
die noch heute Bamberg u. a. für die internationale Kanonistikforschung und Latinistik unentbehrlich machen.
Die 1015 gegründete Benediktinerabtei auf dem Michelsberg mit einer durch alte Kataloge belegten herausragenden Bibliothekstradition
besaß ein besonders im 12. Jahrhundert nach der Reform durch Bischof Otto d. Hl. leistungsfähiges und nun gut erforschtes Skriptorium.
Der bedeutende Bestand an Miniaturhandschriften, darunter der Bamberger Psalter (1230/1240), wird durch ein von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft finanziertes Katalogisierungsprojekt ikonographisch besser erschlossen.
Der früheste Buchdruck, ab 1460 mit Bamberg als zweitem Druckort nach Mainz eng verbunden, ist in der Inkunabelsammlung nur
fragmentarisch vertreten, aber die 3.400 Wiegendrucke bieten ein breites Spektrum aller namhaften Gestalten und Orte der Druckgeschichte
des 15. Jahrhunderts.
Nicht nur Bücher strömten im ehemaligen Jesuitenkolleg zusammen, übernommen wurden auch wertvolle barocke Regale von den
Dominikanern, und aus dem Zisterzienserkloster Langheim kam mit Heinrich Joachim Jaeck (1777-1847) der erste Bibliothekar, der,
energisch und streitbar, die Büchermassen zu einer Sammlung formte. Sie fand, von Jaeck eifrig literarisch propagiert, bald Resonanz
in der wissenschaftlichen Welt. Für den Zuwachs blieb er weitgehend auf den Dublettenverkauf und auf - allerdings gewichtige - Geschenke
angewiesen.
Die meisten der großen Legate des 19. Jahrhunderts wurden separat aufgestellt und lassen noch heute in den Signaturen die Provenienz
erkennen: Mit dem "Bipontina"-Bestand (Signaturbeginn: Bip.) wurde 1807/08 ein wesentlicher Teil der Büchersammlung des wittelsbachischen
Herzogs Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken (reg. 1775-1795), des Bruders des späteren ersten bayerischen Königs Max I. Joseph, übernommen.
Die Hofbibliothek aus dem Schloss Karlsberg bei Homburg/Saar, in der die universell ausgerichtete Bibliothek des Zweibrücker Mediziners
Johann Theophil Hoeffel (1704-1781) Eingang fand, ist mit heute
11.400 in Bamberg geschlossen aufgestellten Bänden ein auch durch die Einbände
ausgezeichneter Bestand insbesondere an französischer Literatur überwiegend des 18. Jahrhunderts. Ein Gegenstück vor allem für das 19. Jahrhundert,
allerdings in der allgemeinen Sammlung aufgegangen, bilden die über 10.000 Bände des aus Bamberg gebürtigen kgl. preußischen Leibarztes und
Professors der Medizin Johann Lukas Schönlein (1793-1864).
Joseph Heller (1798-1849), ein passionierter, auch literarisch um die graphischen Künste allgemein und um Lucas Cranach d. Ä. und Albrecht Dürer
verdienter Sammler, legte mit seinem Erbe von etwa 70.000 Blättern den Grundstock zur heute noch weitergeführten Graphischen Sammlung.
Darunter befindet sich eine umfassende Sammlung topographischer Blätter der Region, ferner eine darauf abgestimmte Bibliothek von 6.000 Bänden
(Signaturbeginn: JH.).
Der Nachlass Emil Marschalks von Ostheim (1841-1903), eines an genealogischen, heraldischen und lokalhistorischen Forschungen interessierten
Freiherrn, birgt eine Spezialsammlung auch entlegener Kleinschriften zur Revolution von 1848, die durch den Katalogdruck von 1912 weit bekannt
wurde (Signaturbeginn: MvO.).
Schon Jaeck begann mit der Einrichtung einer Bambergensien-Sammlung (Signaturbeginn: RB. = Res Bambergenses), die auch die in Bamberg
erschienene Literatur umfasste. Die Jahre 1874-1924 markieren eine Periode der Konsolidierung unter tüchtigen Bibliothekaren. Friedrich Leitschuh
(1874-1898) begann mit der Veröffentlichung des Handschriftenkatalogs, den dann sein Mitarbeiter und Nachfolger Hans Fischer (1898-1924) in
einer heute noch als vorbildlich gerühmten Form vollendete.
Eine durch Mangel an Personal und Mitteln bedingte Stagnation während und zwischen den beiden Weltkriegen endete, als sich der Freistaat Bayern
nach 1948 entschieden auch der Bibliotheken in der Provinz annahm. Unter den Vorständen Curt Höfner (1946-1953) und Alois Fauser (1953-1958)
wurde die Bibliothek kräftig belebt, der Stellenplan im einfachen bis gehobenen Dienst vermehrt.
Die steigenden Aufwendungen für die Büchervermehrung verschärften zugleich den Zwang, neuen Platz zu schaffen. Dieses Problem und die
Reorganisation und Modernisierung des Betriebs löste Fridolin Dreßler (1958-1967) mit dem Umzug der Staatsbibliothek in die Neue Residenz im
Jahr 1967; außerdem legte er das Spezialsammelgebiet E. T. A. Hoffmann fest und baute es deutlich aus.
(Sondersammlungen)
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